Samstag, Mai 13, 2017

Pain. Neue Irrfahrten (Aprilnotizen)

Die Zeitfracht abgestellt
Hinter den Uhren wird die Wirklichkeit rissig
Im Knochenmehl der Stunden eingemalt
ein Spruch
CARPE HOREM

... Stress kann, bei einer beschädigten Neurophysiologie, hart sein wie Heroin. Das Leben fernbleibt, weil der Stachel dir im Kopf sitzt, weil du nicht darfst, weil du nicht kannst, weil du nicht darfst, du Vogelfänger hast bald 'ne Stimme wie ein Junkie, Schmerzpuppe, der kopflose Puppenspieler lässt dich hampeln und schreien. Die Puppenfäden führen in den Kopf und sind, cruel, in den lohenden Ganglien verknotet. Folge: Pritschentanz, konvulsivisch. Puppet Master, laughing.  Zwischendurch führt er zur nächsten Zigarette, die ungesehenen  Bücher atmen den Rauch. Sonst atmen sie meine Wahrnehmung oder freuen sich über die Lektüre. Wenn der Stress weniger hart käme, dann wenigstens stimmte die Wahrnehmung, habe vor Stunden das letzte gehört, der lange Blick weicht großen, nichts sehenden Augen und dahinter haust ein durch die Nervenschmerzen, die Dreifachstressstunden fast in den Wahnsinn getriebenes, lohendes Gehirn, in dem gerade die ersten Balken verkohlt umfallen. (zu flapsig). Die großen, nichtssehenden Augen, sie drücken Entsetzliches aus. Wenn ich dann etwas schmecke, Cola, Tee, wird es für Sekunden besser. ... und, nach zwei oder drei schon ziehen mich die jeweiligen, wächsernen Hände der Tagesmörder ins Meer der Schmerzen zurück, hatte seit Tagen keine stressfreie, gesunde Stunde, heute eine halbe, die Schönheit nur kurzer Gast ... kein Land in Sicht, mich dürstet nach Gerechtigkeit ... gegen die Täter, für mich.
Es gibt  Kommunikation im Dazwischen, die als virale oder basale Kommunikation ablaufen kann. Viralität führt bei Vielen zu Stress, deswegen kläffen sie überall, die armen Menschenhunde des schnellen Lebens. Stresskrankheit ist ein anderer Rhythmus, jede Viralität, ja sogar Vitalität übersteuert dein System. Das erfordert sehr viel Alleinsein, ebenso Literatur. Und auch Literatur ist ein anderer Rhythmus, der Schriftsteller ist eine Maschine des Kontemplativen, aber die wie rasenden Gesellschaftsautomaten sind von ihren Affekten begeistert: Deswegen empfehlen Viele viral. Das verträgt weder der Kranke, noch der Schriftsteller. Dazu heißt viral heißt bei Stresskranken wie mir leider, dass die Maschine brennt. Lichterloh, brennt sich tagestot tottost. PAIN. Durch Stress. ...
Vitalitätstest - 1, -2, -3, die besetzten, eigentlich leeren Augenhöhlen beschirmen sich schon auf  2, Selbst Zwei ist zu vital. Manche fahren auf 4 - 6, emotionale Machtmenschen, die sharks der Gesellschaft, die allein mit dem Blick knechten und richten. Irgendwelche Idioten, die Stress machen, gibt es überall. Der normale Mob geht so schnell los wie eine Stampede, die emotional Unbewussten oder intellektuell zuckenden, weil im schnellen Argument das Zucken als bewusste Gedankenleistung gilt, diese viralen, mir zu 'normalen, gewöhnlichen' Menschen sind ständig aggressiv. Jedes Vorurteil schärft den Neid, den Hass und der allzu schnell zuckende Mob schärft seine Hackmesser nur zu gern an Behinderten, Kranken, Künstlern oder Armen, Junks, Flüchtlingen, Alten.
... Es muss nur der Übervernünftige von unten mitbekommen, dass ich morgens eine Zigarette zu viel rauche, wenn der mit Druckmachen nicht bald aufhört, liegst Du in zehn Minuten wieder krank oder viral kleingepresst auf der Pritsche, bis 15 Stunden verglüht sind. ...
Und im Stressanfall gibt es Ruhepunkte. ... Den Ruhepunkt da Vinci zB: Ich blättere zum Vitruvianischen Menschen: Das visuelle Gehirn beruhigt etwas die Stresseffekte der irritierten Ganglien, der in mir üble Dissonanzen übende Geiger ist nur noch unerträglich, sonst ist er, wie nennt man es, entsetzlich. Das ist der Unterschied zwischen Lazarett und Lagerhaft.
Als ich hundertfünfzig Tage lang krank war hat mich nur der Tranquilizer gerettet, jeden zweiten Tag, wegen Suchtgefahr, an den anderen Schnaps und zu viele Zigaretten. Weil sonst nichts hilft, gegen den Stress bist du so machtlos, diszipliniert, wie du bist, bist du machtlos, du bist schon froh, wenn dein schmerzbedingter Adrenalingipfel etwas Beruhigung erfährt, nur ganz wenig Wirkung, ja, da bist du im Anfallsfall schon wirklich froh. Adrenalin und Krankheit. Qual, Entsetzen. Einmal hielt der Schmerz 125 Stunden, bis ich vor Agonie und Dauerschmerz vertiert glotzend drei Tage alte Nudeln kalt aus der Schüssel fraß, und der feixende Mob aus schlechten Nachbarn, falschen Freunden und familiären Totalausfällen wahrscheinlich vor freudigem Spaß Erektionen und Orgasmen bekommen hat.
Auch der April war ein kranker Monat. Möge mir Fortunas Lächeln gnädig sein ...


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