Donnerstag, November 07, 2019


Gut gelesen. Arbeit an Lyrikband und Stück. Zum Roman überlegt, wie es weiter geht, komme noch nicht voran …

Kein Anfall heute.

Immer die Wahrheit zu sagen ist wagemutig. Viele nervt das. Aber sind nicht die die Falschen, die davon genervt sind? Ich halte nicht jedes Tabu. Über den Tod beispielsweise spricht kaum Jemand, zumindest über den eigenen nicht. Über Fremde, Behinderte, Juden und Schwule wird kaum sinnvoll geredet. In unserer Welt gilt selbst eine Aussage über Religion schon als Provokation. Wo soll das alles enden?

Montag, November 04, 2019


Mit dem Schreiben wieder angefangen, alle Projekte durchgegangen.

Zigarettenkonsum von Samstag auf Sonntag um Neun reduziert. Einen Zettel erstellt, auf dem ich jede Stunde ein Kreuz für die jeweilige Zigarette mache. Funktioniert.

Gestern zwei Stunden lang im Fernsehen Sendungen zum Thema Narzissmus gesehen. Ich glaube, nach dem da Gezeigten bin ich sowas wie ein Obernarziss … aber ich arbeite an meiner Bescheidenheit. Bei Gelegenheit mal im Ovid den Originalmythos nachlesen.

Heute Morgen drei Stunden Anfall, ausgelöst durch den Fernsehton … war erst ab ca. 14.00 einsatzfähig.

Sonntag, September 02, 2018

betrachtungen 3 / die wahrheit der geschichten

Das Wesen der Fiktion ist der Traum in einer parallelen Welt. Das Buch und ich, der Text und mein Hirn, wir sind woanders, in another place and time und die Musen tanzen uns dahin.
Die großheilige Fantasie erlaubt uns, aus linearen Wörterketten Träume zu schöpfen, die wirkliche Welt können wir während der Lektüre nicht brauchen. Das dies kein blindes Problem ist, sollte klar sein, wenn wir bedenken, das unsere Lese-Träume ja auf die Welt verweisen, sie beschreiben. In irgendeiner Facette. Das schenkt uns die wirklichere Welt, der normale Vielleser ist durch seine Lektüre sehr weltlastig, weil er mehr versteht. Und lebt beim Lesen oder Schauen doch parallel.
Die parallele Welt der Romane ist gut, wenn sie mit der wirklichen Welt deckungsgleich sein könnnte. Das ist die heilige Monstranz: Wenn wir es glauben. Das, was da steht.
Gute Prosa sagt uns besser, wie die Welt ist. Fiktionen sind sonnengeborene Wesenheiten, Gespinste, die uns aufnehmen und zu Vogelscheuchen oder Giftmord zum Beispiel auch etwas zu sagen haben. Wer liest, interessiert sich für Alles, egal, was es ist. Auch das ist nicht weiter verwunderlich, der, der über so ferne Themen wie Korruption in Argentinien oder das Leben in Bergdörfern gelesen hat, wird im Leben nicht von irgendwas gelangweilt sein. Höchstens gelangweilt im Sinn von ruhiger, leiser sein, Geduld haben.
Wir leben zum Teil so sehr in fiktionalen Welten, das wir selbst zur Fiktion werden. Fernsehen, Internet, Literatur, überall wird erzählt, wie es als Mensch so wäre. Und wir verhalten uns danach ... die gängigen Narrative haben wir uns lange angeeignet ... nicht in dem Sinne, das ich einen Mord aus dem Tatort imitiere, sondern in der Art, wie wir unsere Zigaretten halten, welche Sprachmuster wir benutzen oder wie wir uns verhalten, die ewige Fiktion hat uns diese Dinge mehr normiert, als wir glauben.
Wenn die Fiktionen uns stärker prägten, als Schule, Umfeld, Familie, dann kann es nichts Sinnvolleres geben, als sich weiter von Fiktionen bilden zu lassen ...
Auch der neue James Bond-Film ist so letztlich nur ein Bildungsroman.

Donnerstag, März 15, 2018

150318 Der arme Poet

-Weil Sie nicht geholfen haben, lassen wir Sie nicht leben.
Wie soll ich geholfen haben, ich habe gelesen und geschrieben.


Der Bannfluch, unter dem die Manipulateure die Gedanken der lemurischen, halb verstorbenen Literaten gern zu Staub zermahlen, folgt nur der Logik opaken Nicht-sehen-Könnens. Was in deiner eigenen Welt leben heißt, können dir die Leute, kann Jedermann dir nicht sagen. Die Leute kennen nur das Pandaimonion des jeder gegen jeden, wir kämpfen im Höchstfall um narrative Lösungen für die Pandemie der erzählerischen Probleme oder um möglichst gelungene Tiefenanalysen von Textflächen. Erkläre das mal der gegen alle übertrieben wehrbereiten Hausfrau von nebenan ...

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Das idiomische Verhaspeln, das in zu kurzen Gedanken kleinbürgerlich über uns bestimmen will, das stereotype Verkennen des Einzelnen, der sich selbst genug ist, weil er Bücher hat und Literatur macht, ist komisch, die erreichen uns nicht und viele sind mindestens neidisch. Die Pastille der Volkserregung wollen wir aber nicht schlucken. Und weil wir sie ausspucken, mögen sie uns nicht ...

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Als Literat den Frieden leben.  In einer Welt, in der alle streiten, ist das sonderbar ... weil aber ohne Frieden kein literarisches Arbeiten möglich ist, zumindest gilt das für mich, leidet das Lesen und Schreiben unter der universalen Schlacht alle gegen alle sehr. Wenn der kleinbürgerliche Krieg der Vater aller Dinge sein soll, ist die großherzige  Muse die Mutter, Geliebte und Schwester aller armen Poeten. Wer kämpft, verliert ... zumindest Zeit zum Arbeiten ...

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Kaum jemand liest ... wir sind die Kaste der Wissenden in Hierarchien aus Unwissenheit. ... Es gibt schon ganze Städte ohne Buchhandlungen, wenn die 90 % so weiter machen, müssen wir bald in gesonderten Bussen fahren oder dürfen nicht mehr vor Nichtlesern etwas sagen ... weil sie sonst hauen und stechen ...

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Samstag, Mai 13, 2017

Pain. Neue Irrfahrten (Aprilnotizen)

Die Zeitfracht abgestellt
Hinter den Uhren wird die Wirklichkeit rissig
Im Knochenmehl der Stunden eingemalt
ein Spruch
CARPE HOREM

... Stress kann, bei einer beschädigten Neurophysiologie, hart sein wie Heroin. Das Leben fernbleibt, weil der Stachel dir im Kopf sitzt, weil du nicht darfst, weil du nicht kannst, weil du nicht darfst, du Vogelfänger hast bald 'ne Stimme wie ein Junkie, Schmerzpuppe, der kopflose Puppenspieler lässt dich hampeln und schreien. Die Puppenfäden führen in den Kopf und sind, cruel, in den lohenden Ganglien verknotet. Folge: Pritschentanz, konvulsivisch. Puppet Master, laughing.  Zwischendurch führt er zur nächsten Zigarette, die ungesehenen  Bücher atmen den Rauch. Sonst atmen sie meine Wahrnehmung oder freuen sich über die Lektüre. Wenn der Stress weniger hart käme, dann wenigstens stimmte die Wahrnehmung, habe vor Stunden das letzte gehört, der lange Blick weicht großen, nichts sehenden Augen und dahinter haust ein durch die Nervenschmerzen, die Dreifachstressstunden fast in den Wahnsinn getriebenes, lohendes Gehirn, in dem gerade die ersten Balken verkohlt umfallen. (zu flapsig). Die großen, nichtssehenden Augen, sie drücken Entsetzliches aus. Wenn ich dann etwas schmecke, Cola, Tee, wird es für Sekunden besser. ... und, nach zwei oder drei schon ziehen mich die jeweiligen, wächsernen Hände der Tagesmörder ins Meer der Schmerzen zurück, hatte seit Tagen keine stressfreie, gesunde Stunde, heute eine halbe, die Schönheit nur kurzer Gast ... kein Land in Sicht, mich dürstet nach Gerechtigkeit ... gegen die Täter, für mich.
Es gibt  Kommunikation im Dazwischen, die als virale oder basale Kommunikation ablaufen kann. Viralität führt bei Vielen zu Stress, deswegen kläffen sie überall, die armen Menschenhunde des schnellen Lebens. Stresskrankheit ist ein anderer Rhythmus, jede Viralität, ja sogar Vitalität übersteuert dein System. Das erfordert sehr viel Alleinsein, ebenso Literatur. Und auch Literatur ist ein anderer Rhythmus, der Schriftsteller ist eine Maschine des Kontemplativen, aber die wie rasenden Gesellschaftsautomaten sind von ihren Affekten begeistert: Deswegen empfehlen Viele viral. Das verträgt weder der Kranke, noch der Schriftsteller. Dazu heißt viral heißt bei Stresskranken wie mir leider, dass die Maschine brennt. Lichterloh, brennt sich tagestot tottost. PAIN. Durch Stress. ...
Ironisch-gemein: Vitalitätstests. Irgendwelche Idioten, die Stress machen, gibt es überall. Der normale Mob geht so schnell los wie eine Stampede, die emotional Unbewussten oder intellektuell zuckenden, weil im schnellen Argument das Zucken als bewusste Gedankenleistung gilt, diese viralen, mir zu 'normalen, gewöhnlichen' Menschen sind ständig aggressiv. Jedes Vorurteil schärft den Neid, den Hass und der allzu schnell zuckende Mob schärft seine Hackmesser nur zu gern an Behinderten, Kranken, Künstlern oder Armen, Junks, Flüchtlingen, Alten.
... Es muss nur der Übervernünftige von unten mitbekommen, dass ich morgens eine Zigarette zu viel rauche, wenn der mit Druckmachen nicht bald aufhört, liegst Du in zehn Minuten wieder krank oder viral kleingepresst auf der Pritsche, bis 15 Stunden verglüht sind. ...
Und im Stressanfall gibt es Ruhepunkte. ... Den Ruhepunkt da Vinci zB: Ich blättere zum Vitruvianischen Menschen: Das visuelle Gehirn beruhigt etwas die Stresseffekte der irritierten Ganglien, der in mir üble Dissonanzen übende Geiger ist nur noch unerträglich, sonst ist er, wie nennt man es, entsetzlich. Das ist der Unterschied zwischen Lazarett und Lagerhaft.
Gegen den Stress bist du so machtlos, diszipliniert, wie du bist, bist du machtlos, du bist schon froh, wenn dein schmerzbedingter Adrenalingipfel etwas Beruhigung erfährt, nur ganz wenig Wirkung, ja, da bist du im Anfallsfall schon wirklich froh. Adrenalin und Krankheit. Qual, Entsetzen. Einmal hielt der Schmerz 125 Stunden, bis ich vor Agonie und Dauerschmerz vertiert glotzend drei Tage alte Nudeln kalt aus der Schüssel fraß, und der feixende Mob aus schlechten Nachbarn, falschen Freunden und familiären Totalausfällen wahrscheinlich vor freudigem Spaß Erektionen und Orgasmen bekommen hat.
Auch der April war ein kranker Monat. Möge mir Fortunas Lächeln wieder gnädiger sein ...


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Donnerstag, März 30, 2017

280317-300317 Morgen /Die Irrfahrten kranker Tage

280317 gekämpft bis zum morgengrauen, halbschlafdystonie, mit irritierten ganglien in den tag gegangen, erstmal verlaufen, neben dem weg gegangen, bin aber der kenotaph meiner kommenden tage ... und wenn ich nicht gleich die lektüre starte, bleibt sie nicht erhalten, bis zum abendlichen aschenflug werden wir manche seite wenden, oder, der tag wird leer ... ... bis zum abendlichen Aschenflug werden wir manchen menschen kennen, weil wir nur leben, wenn wir lesen ... im Scheingrab Erdenkörper leer die gewebten Welten beobachten ...#lesen wir lieber, oder? als das wir nichts tun ... nicht nur, viel, aber nicht nur ...

290317 der ideologische Schatten, der als Angstschür mein Sein seit dem morgendlichen, nicht üblichen Verschlafen umfängt und sich an meinem dystonen Nukleus festbeißt, trägt auch heute, wie so oft das Gesicht der üblichen Verdächtigen, die fast sekündliche Zerstressung bewirken, dabei sadistisch feixend und johlend fadenscheinige Gründe vorbringen, mein Denken, Leben und Handeln böse verändern, nur weil sie im selben Haus wohnen. Dazu kam ein Windowsschaden, spontanes, temporäres Profil: Aller Daten und Einstellungen verlustig gegangen, neues Konto anmelden, auf die geplante Lektüre verzichten. Dadurch beruhigt, trotzdem scheiterten weitere Leseversuche, Grund: Die Nerverei ging pünktlich weiter ... in die Stadt gefahren, den Schatten trotz Dutzender mitfühlender, mitkämpfender Leute nicht los geworden ... heute schon wieder kaum eine Sekunde für mich gewesen, nur obszöne Wünsche, mich Leuten anzupassen, die mein Leben nichts angeht. Und die es nicht zu interessieren hat ...

Nachtrag: was hier getan wird, führt höchstens zur nächsten Zigarette, zur nächsten Bettlägerigkeit oder zur nächsten Grausamkeit. Auch heute mehrfach vor Schmerzen geschrien, ... für die zum literarischen Leben notwendige Forderung nach für-mich-sein ernte ich nur Hass und Ablehnung ... momentan bin ich zu schwach zum Abfall wegbringen ... ´

300317 Morgen
die Reste des kranken, letzten Tages, in der Erinnerung verschwebte Schatten, wenigstens keine Alpträume davon gehabt. Es lag wohl genug Alptraum im Wirklichen. Heute: das Trauma der Zerreißungen von gestern zu vergessen, war Aufgabe und Pflicht des Morgens, vielleicht kann ich mich noch am Vormittag aufraffen, mein graues Äthergesicht wieder etwas Sinnvollerem zu widmen ... erdwertere essenz als ständig existenzielle Situationen fressen müssen und dazu liegt Satans Finger in den anderen Wunden und du schreist doppelt ...

Samstag, März 04, 2017

030317

Gewagte Projekte werden manchmal unheimlich. Die fehlenden Erfahrungswerte, das Niemandsland, beides bezogen auf das Nichts, aus dem ich die jeweilige Textskulptur fertige, machen mir dann und wann Angst. Das Schreckgespenst des Scheiterns bleckt das Gebiss der Leere, bis meine symbolische Gänsehaut die weitere Fassung verhindert. Ergebnis: Ich lege den Text weg, bis er blutet. Dann siegt das Mitleid über die Angst und ich setze mich dran, und arbeite es aus, bis das Gespenst, das mich der üblichen Hybris beschuldigt, also, über mich hinauszugehen, wieder da ist. Dennoch gilt am Ende meist: Wer wagt, gewinnt. Ihr kennt das.

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alptraum ich kaue einen kaugummi, bis ich mich fast übergeben muss. währenddessen quatscht mich ein sechzehnjähriger im körper eines vierundzwanzigjährigen, der eine vatermaske benutzt, entsetzlich lange voll. schnitt. ich werde von meinen nachbarn zu einer feier eingeladen. wir sind die besten freunde. schnitt. ich bin ein löwe in einem käfig, ich fresse rohes Fleisch, bis ich wieder aufwache.
Bitte, Kaffee!

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Im Nicht wartet der tote Mann, schweigend.

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Es waren zu viele Tage hintereinander da, in denen meine Stresskrankheit Lesen, Schreiben, Fernsehen, etc. verhindert hat. Das ist schade, wenn du merkst, dass der Stress vorwiegend von außen kommt, weil Du selbst Deine Ruhe schon gefunden hast. Unverständnis, Missbilligung, Hass und ich bin wieder ausgefallen, mein Leben ist ausgefallen, meine Arbeit ist ausgefallen und was ich dafür bekommen habe, wäre ewige Verdammnis. Das ging über Monate so, aber ich habe das Gefühl, das es besser wird ...

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Ein lauer Winter, wie üblich, was sagt der Frühling uns? Nicht viel. Bisher auch lau ... sind ja auch erst ein paar Tage, wie wird er werden? Es wird sein wie immer ... die Jahreszeiten werden immer schneller umgeblättert, im Buch meiner Wahrnehmung der Zeit. Ich weiß schon, das ich bald wieder umblättern muss ... Dann ist Sommer. Nichts ist so vergänglich wie eine Jahreszeit, bei jedem Umblättern raschelt das Ende ein wenig lauter ...
 

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 Im Schweigen Menschentier sein, ohne Gedanke.

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Montag, Dezember 12, 2016

betrachtungen 2 /121216 bilderrauschen

Halb zehn. Sichtung Piraten: Sieben Gehängte, Bildschnitt, Titellogo, Bildschnitt, Singapur ... ich komme in Versuchung, dazu was zu denken:
... Die Geschichte, sakrilegisch: Lediglich Bilderrausch, frevellos: Flügelaltar, gleichgültig: gedreht in saturierter Serie. ... wir merken deutlich, das  ... STOPP: Was ist los, sophistische Kritikspielereien zu machen, ins an der Stelle wirklich ablenkende, störende Denken zu kommen?
... Kurzes Andenken der Notwendigkeit von so etwas wie einem Begriff von Erzählung, nämlich der Notwendigkeit, das eigene Denken offzuschalten, was denkt, ist der Film. Er denkt in Handlung ... und wir, gewohnt, uns in die Geschichte hineinfallen zu lassen, fangen an, der Erfahrung zu folgen, versinken, verlieren uns. Das geltende Dogma ist die ungeteilte Aufmerksamkeit, sehen, bis wir leer sind. Das Denken des Beobachters ist die Beobachtung selbst, der Bildschirm, ein Altar, der das Sehen freisetzt ...
Es setzt aber das Denken von Erinnerung ein, die durch den Film, angeregt wird. Ausgerechnet jetzt. Wir ... hören die ... ratternden Filmdosen mit Errol Flynn  ... im Tiefbunker des Gehirns befindlich und im Angesicht der filmischen Sensation aufblitzend, die frühen Alben meines Gedächtnisses geben ... die Schemata wieder heraus: ... Schiff und Meer, Insel und Festung, Kanone und Säbel, Sturm, Schatz und Flaute. ... alles passt auch auf das Neue ... 
... dennoch ist der Mehrgewinn des neuen Films unermesslich: Wir sehen potenzierte Kunst, (Eine Signatur des 21. Jahrhunderts? Potenzierte Kunst.) Flynn hoch X. Wir sind weiter. Im menschlich gemachten Neuen. Das Surren der alten Zeit verblasst digital. Wie Bogen zu Armbrust, Pergament zu Papier. ... Gleichsam digital: Die Qualität des Erzählten, der Bombast des Designs, wuchernd, blühende Räume. Kaskadenartig wuchs der Film zur unermesslichen Erzählung, das alles verschlingende Auge, mediallibidinös perfekt penetriert, entlädt seine gestressten, überspannten Muskeln im Heute sehr viel besser als damals in den Zeiten des Zelluloids, es glänzt, lacht, produziert Interesse, wackelt vor Glück ...
Ich weiß nicht recht, ob ich meine gleichsam berauschten und trotzdem rotfädigen Gedanken fortsetzen soll oder im reinen Sehen den roten Faden der Gedanken wieder abschalten soll? Welcher Faden ist der von Ariadne? Ich weiß es. Aus dem Labyrinth heraus führt uns das Sehen. Die minotaurische Wirklichkeit? Wir flüchten ihr gern, in den Film hinein. Und der Film denkt weiter ... zumindest theoretisch. Denn ich kann mit dem Denken auch jetzt nicht aufhören. ... Viele denken nur die Attraktivität des Films. Oder, anders gesagt, werden im Rausch seines 'Denkens' verschluckt. Was zählt, ist der Augenblick. Wenn wir abschweifen, wird uns der Film bestrafen, wir verstehen ihn nicht. Andernfalls könnten wir uns vergessen, der erzählten Geschichte folgen, durchatmen. Das Drehbuch kennt unzählige Charaktere, Volten, Ideen, Tricks, den Wert der ständigen Überraschung ausnutzend, springt auch das Bild von Attraktion zu Attraktion. Filmische Langeweile gehört so der Vergangenheit an. Wir fragen nicht mehr, halb trostlos, wann Errol Flynn wieder auftaucht, wir reiten auf den Wellen des pausenlos uns pompös Präsentierten. Was ist passiert, das das Filmische einen Quantensprung gemacht hat, das alles anders, größer geworden ist? Es ist, wie gesagt, hauptsächlich das neue Element des Digitalen, es ist der Möglichkeitsraum des Virtuellen, der alles verändert, in Aufruhr bringt. Wenn Sie ALLES sichtbar machen können, werden Sie es tun. Und Hollywood macht es. Es ist, nach dem artifiziell ebenfalls überzeugen könnendem Stummfilm die zweite Hochphase des Films, die wir erleben. Der Begriff der Traumfabrik ist zu 100% wirklich geworden.
Sie müssen dringend flüchten? Flüchten Sie in die Anderswelt des Filmischen! Es hilft.

Dienstag, November 22, 2016

beschreibungen 4/221116 last questions

...erste letzte Frage, im Stechschritt kommt Einer, zugwärts. Kann der das sagen? LAST QUESTIONS ... Wer möchte? Der, der sich meldet, bestreitet die FRAGE. ... Einer schaut kritisch: Ich gebe Dir darauf keine Antwort ... in einem Abteil hebt sich die Hand des erwünschten Helfers, bisher unbesiegt erhebt sich auch die FRAGE: Ich will die Antwort nicht negieren. Er sagt das allweise Gesetz, welches das Bestimmen des Blitzens der Sense nicht zulässt. DU SOLLST NICHT TÖTEN! Ich widerrufe das Töten. Wieder mal.
... im Rauschen der Gesichter, strömenden Körper, füllen die Zeiten den Tag. Dutzende Beine taumeln quer, Arme. Das rhythmische Zucken der Massen: Wunderkammer Bahnhofsgetue. Meine Zeit wartet auf der Treppe. Ich nehme sie und gehe ...
Die letzte Fragen sind still geworden, sie wollen nicht recht kommen. Beschluss, ich antworte der Nächsten. LAST QUESTIONS ...
... es erscheint ein berbernder Verlorener, Platte putzend. Er hat sie gefunden ...
... Busbahnhof. Prasselregen als Herbstbeweis. Manche Junge, bekifft mit Mütze, sind als gleichsame Proleten schnell zu verorten ... erkennbar, erwartbar ... ähm, wir meinen es ja nicht so ... keine echten Kranken, eher Übertreibende ... Oder Vögel. Blöde Vögel blöken ... drei Vögel mit im Bus. Frieden machen, Spell ... Bis Derer drei Traumzeiten lang märchenleise sind: Stachelrotlos schlafend, hinterer Bus. ... Aussteigend: Die Füße treten auf das Pflaster ...
... Haltestelle verschoben ... Kanalbauer klopfen Steine fester, ein Mann rennt wie durch die Erdatmosphäre einen Schuttberg hinunter. Im Hämmern, Archetypus des working man, mitklingend, flieht mein Hirn den Verbindungen, Sinfonie der Genealogien Hämmernder durch die menschlichen Jahrtausende ... den Weg runter, zu Hause.
... ich lasse meine Zeit auf der Straße, Gehirn lautlos, schöpfe die Unendlichkeit aus dem geistigen Gefüge meiner Wohnung. Sie: Atmosphärisch gesehen mäandern wir durch empfindende Bilder, atmende Situationen ...
... wartend auf die nächste Frage. LETZTE FRAGEN. Sie: Wo gehen wir hin? Im Angesicht des 21. Jahrhunderts schämen wir uns nicht unserer Antwort: Wenn der Sarg verscharrt ist, harrt die Witwe der fehlenden Gedanken. Die Himmel der Bewusstseine sind leer. Nur Schatten, ewige Wie-war-das-noch-Reflexe, an den Rändern erinnerte Bilder, kratzend, stocherndes Weh, wir sind die einsamen Gehirne, wir haben kein Du mehr. ... Ergebnis im Impuls, murrende Omas, die sich die fehlenden Gedanken selber machen müssen... was soll's, das Ende, schau ihm klar ins Auge. Dann siehst du. Last Questions, make go. Hinaussehend:
Draußen wartet Kassandra. Mit den Rhapsoden. Ich taumele hinunter und sie erzählen mir alle der alten Geschichten. Kassandra trinkt purpurn verklärt ihr Gift, verblasst. Die Rhapsoden werden zu wilden Pferden und stieben davon. ... ich taumele zurück in die Wohnung und. Vergesse. Alle FRAGEN ... Ich habe zu schreiben ...
...

Mittwoch, Oktober 26, 2016

beschreibungen 3 /261016 betonflanieren

Urbanität. ... Sturmtief über Europa, Erdbeben in Südamerika, schmelzende Polkappen. Den Blick wegnehmen, das Planetare ausblenden. Roter Wald, kahle Äste, Herbst wird Winter ... Winter wird Sommer, ... reduziere die zyklischen Bewegungen auf Null. Das ewige Jetzt, es realisiert sich. Urban. Urbanität frisst Natur, frisst den Menschen ...
(Auf. In die Städte, da ist Arbeit. Das wussten sie. Und das Leben, ja, das Leben, das Leben in der Situation selbst, das ist städtisch. Das wussten sie auch schon.)
... Die Horizonte aus Beton, die nehmen uns den unendlichen Himmel weg. Uns Himmelsseglern, goldstolzen Herren, stört das. Man sollte den Beton niederreißen, den Dunst, Smog, wegsaugen, damit wir die Sterne wieder sehen können. Hier kann keiner mehr Held sein, Poet, Zauberer.
Nur: Graue Gesichter, die graue Gesichter anstarren. Aus den urbanen Strömen herausragende Protomen, rückwärts vogelschnäbelig wären sie. Mit etwas Fantasie. Nie lachende, verzerrte, solipsistische Masken, Munchs Schrei schreit tausendfach. Die modernen Menschen sind vereinzelte, wirre Individuen, Atome, die um einander kreisen und sich nie erreichen ...
... Überall schreit Es nach Geld, was sieht der monetäre Mensch im Spiegel? Den Betrug. Den Betrüger, der sich nicht traut, in seine eigenen Augen zu sehen, weil er blind ist. Betriebsblind. Sportautobabies bekommen kein Hartz-IV ...
... Flaneure, die sich die Zeit vertreiben wollen, einkaufen. Damit die gnadenlose Gewissheit des Todes sie aus den ewigen Klauen lässt. Es ist die letzte Maske, die letzte, leere Kopie der Fassade, die sie stört ... tanzen, singen, f*cken, bis der Vorhang fällt ... nur sinnloser Spaß, affektiert, flapsig ... weil der Knochenmann wartet ... eschatologisch flanieren die Leute dem Rand weg, überbrücken den Riss im Gefüge mit etwas zu schnellen Schritten, etwas zu lässig, irrwitzig mischfühlig. Menschen, die allen Geist verlieren, auf alles Leben verzichten müssten, senkten sie nur den Blick. Hyperaktivität schützt vor Ent-Hauptung. Das ist, was sie glauben, doch es ist kein Stress im Malerlicht. Cezanne rotierte nicht, er schaute. Bis ihm die Augen heraustraten. So Leute sind so. Die Anderen wollen nur ihren Blick in den Orakelschrein des zukünftigen Leids betäuben, möglichst viel lärmen und bewegen. Die letzte Maske vermeiden. Es gibt sie hier nicht. Der Fallstrick ist die Vorstellung, das Imaginäre des Nichts. Welches wartet. Während alle SIND, sind sie sicher. ...
 ... Sicher sind sie auch im Blick, ja: Eine Mätrice trinkt Tee mit der Freundin, was ihr einfällt, ist:
-Sie ist ein Dirnenkind, grinst jeden an, grell, etwas zu dick, was habe ich von der?-
Sie sitzt da, verschwindet hinter ihrem Blick,  lässt. Ihn. Unbewusst. Abgleiten. Von ihr weg. Er gerät in das Auge eines Mannes. Dem es dadurch tränt. Er blinzelt: das Blickverhältnis fällt zurück in seine Teile.
-Was habe ich getan, das Sie mich anstarren?
-Gar nichts. Ich wollte mir so helfen.
Straßenaufwärts: ... Die Bettler knien in demütiger Serie vor den Hastigen. Wer kniet vor den Bettlern?
-Ich habe zwölf Stunden mich klein gemacht. Jetzt darf ich essen. Mein Recht ist das des Armen, der euch anklagt, wegen Verschwendung und Verrat. Was mich stört, ist eure Mast, was ihr zu viel habt, wollt ihr für euch.-
Abends, hochklappen der Bürgersteige: Im Eilen der Kaufleute, wie sie ihre Läden schließen, verrät sich schon ihr Fernsehprogramm. Bier und Chips. Und vergessen. Die Bettler sind schon gegangen. City black.




Dienstag, Oktober 25, 2016

arbeitsjournal 2 /241016

Gestern Abend krank. Also, heute statt der gewohnten Lektüre, früh, den Blogartikel fertig stellen, damit ich rechtzeitig veröffentlichen kann. Klappt alles ...
Kaffeepause.
... Dann, etwas Netzwerken, den Artikel bei Facebook und Twitter bewerben ...
... die Friedenspreisrede von gestern, mich interessiert der Text naturgemäß mehr als der TV-Event-Pomp, deshalb in schriftlicher Form, von der Seite des Friedenspreises kopieren und in meine Zeitläufte einfügen: Mein Weltgedächtnis bereichern. Das digitale Archiv ist so privat. Für mich. Ich lese die Rede und markiere Wichtiges in grün, rot und grau. Drei Mal grau. Gesamteindruck: Es geht Frau Emcke um Individualität, Zugehörigkeit. um den Kampf gegen das ständige Setzen von Differenzen, et cetera. ...
... Politikrecherche: US-Wahl, Irak, Flüchtlinge. Trump trompetet so langsam aus, im Irak stellt sich die Frage, wie schnell sich die momentane Allianz gegen IS nach dem 'Sieg' entzweien und gegenseitig bekämpfen wird und das Flucht kein Verbrechen ist, wissen wir alle. ...
Müsli.
Lektüre. Zweiter Kaffee. Ein Kapitel Siri Hustvedt, es geht um Kunst, Bücher und Liebe. Gefällt mir. Ein kurzes, mich dieses Mal überzeugendes Kapitel aus Dan Browns Feder. Mythisch, spannend, real. Dazu ein paar Seiten aus Martin Walsers großem Goetheroman.
Ich klappe das Buch zu und stelle mir, wie manchmal, Goethe, unter einer seiner Statuen, auf der Treppe stehend, vor wie er seine Finger über den Geländermarmor gleiten lässt und raunt: -Was Du so gedacht hast, lieber Kriegsgott? ...
Rohkost: Gurke. Halbe Stunde Pause. Die Neuerscheinungen von der Messe müssten bald da sein ...
... Arbeit am Roman: Nach den ersten fünf Romanseiten Katja ist jetzt erst mal Martin dran ... den von Grund auf zu erfinden/definieren, wird mir ein wichtiges Ereignis sein. Da er der 'Böse' ist, muss ich darauf achten, seine positiven Seiten herauszustellen ... es wird sonst unglaubwürdig ... Im großen Plot ein paar Dinge geändert ... Frage, ob sich der Roman auf die Innenwelten ( + Gespräche) beschränken soll oder ob wir uns auch ein bisschen Darstellung/Beschreibung von Außenwelt gönnen ...
Mittagspause: Arte Journal, mein Brot. Fegen.
... Dramatik: Entscheidung, im ersten Teil der Elektraüberschreibung der sophokleischen Strukturvorgabe zu folgen, nur die Struktur, inhaltlich spielt das Stück vA gegenwartsbezüglich.
Der Antikenmythos und die Situation der griechischen Tragödie sollen aber auf der Bühne  wirkmächtig werden ... Problem, das gewählte Hartz-IV-Milieu dafür vielleicht verlassen zu müssen. ... Entscheidung darüber aufgeschoben.
Das bestellte Buch mit Elektratexten aus drei Jahrtausenden wird vermutlich einiges erhellen ... ach, die zwei Elektraseminare an der Uni fallen mir ein, das Buch hätte da gut rein gepasst. Der entsprechende Professor hat damit mein Interesse am Mythos aufgeweckt. Tolle Zeit!
... Außerdem zu wenig Tragödientheorie gemacht. Hänge noch bei Schiller ... beschlossen, den politischen Aspekt des Theaters stärker zu machen, vielleicht Elektra vom Grundgesetz aus zu verorten, oder, Rene Girard miteinbeziehen, was fällt mir noch ein: Kastration des psychologischen Begriffs des Elektrakomplexes oder Sophokles, Hofmannsthal und Sartre dialogisieren die Unterschiede ihrer eigenen Elektraversionen zu dieser oä ... ..
Sechzehn Uhr, Feierabend. ...
Vorabend. Arbeit am Blog. Social Media, Nachrichten im Fernsehen. Pause.
Abend: Etwas Lektüre. ...

Montag, Oktober 24, 2016

betrachtungen 1 /241016 Europen und der Stier


 Toleranz bedeutet, das Andere, Bedrohende, nicht auszugrenzen, sondern zu integrieren. Wenn die alten Griechen den Dionysoskult nicht mit in ihre Festordnung eingebunden hätten, hätte die Sprengkraft des Ekstatischen Attika vernichten können. Aber es kam anders. Die Peisistratiden brachten, im 6. Jhrd. vor Christus, den Rausch, den Sexus und das Emotionale unter die Kontrolle der Zwecke der Tyrannis, einfach, indem sie den Volksglauben staatlich legitimierten und organisierten: als Dionysosfest. Daraus ist dann unter Anderem das europäische Theater entstanden. Wenn wir heute etwas daraus lernen können, dann, dass uns Toleranz helfen kann. Dadurch, das wir die Flüchtlinge, den Islam, die Prekären, die Drogen, zu einem Teil von uns machen, entsteht nutzbare Vielfalt. Selbst die steinharten griechischen Tyrannen wussten das. Es ist eine Schande, das die hysterische Europe auf dem mythischen Stier der Ideologien reiten darf, der sich Zeus nennt, doch wie der Ochse immer nur libidinös täuscht. Rechte vortäuscht. Das kleine Europa, scheinbar wattiert durch seine erklärten Rechte, ideologisiert diese durch Mittel, welche von medialen Verwischungen über politische Verirrungen bis hin zur partiellen Unsichtbarkeit dieser Rechte im Falle der bestehenden, strukturellen Defizite im Gesellschaftlichen, Sozialen und Rechtlichen reichen. Der Ungerechtigkeiten gibt es genug, die Probleme sind riesengroß. Minderheitenrechte, Hartz-IV- und Asylgesetzgebung, Arbeitsleben, Gesundheitswesen, Mobilität, Natur und Altersarmut sind davon nur einige. Wenn die Herrschenden in Europa die Integration des Fremden, Neuen, Anderen so ernst nähmen, wie die den Dionysoskult ins Staatswesen aufnehmenden, alten Griechen, wir hätten viel gewonnen. Es gäbe genug denkerische Innovationskraft, um so ein Projekt anzugehen. Das Projekt der Integration alles Differenten.
Nur ist es nicht machbar. Weil der Mensch der Mensch ist; Der egoistische Mensch. Der alles hat, mit Ausnahme der nötigen Toleranz. Der selbst schreit, wenn er nur erkältet ist. Oder. Geld. Verliert. Oder: Luxus, Zeit und die üblichen Verwöhnungen. Und was im Kleinen gilt, trifft meist auch auf das Große zu. Staaten, Banken, Institutionen, Medien. Der egoistische Staat und viele seiner Vertreter beispielsweise haben immer ihre Häupter den gleicheren Tieren hingeneigt, die Tolerierten fressen aus dem Trog der Macht wie der Akzeptanz, die angeblich weniger Werten, die Verachteten, die 'Extremisten', hungern bis zum Ersten des Monats. Hast Du Geld, Macht oder Ansehen, wirst Du toleriert, gehörst Du dazu. Hast Du Hunger, bist Du arm, fremd oder anders, stoßen sie Dich ab, wie ein Paket wertloser Aktien. Sie sprechen in ihrem Wahn von Grenzschließungen, Abschiebungen, Hartz-IV-Verschärfungen oder -Sanktionen, Rentenkürzungen, Arbeiten bis 67, benachteiligen oder diskriminieren Kranke, Behinderte, Alte, Flüchtlinge, Frauen und Migranten und reden  sonntagsredig von notwendigen Verbesserungen oder den Werten des Grundgesetzes, nur um in der Woche den nächsten Wahnsinn zu beschließen.
Nötig wäre das, was viele nicht haben: Etwas mehr Toleranz. Toleranz statt Hass oder Gleichgültigkeit. Doch dazu reicht es bei ihnen nicht, im Kleinen wie im Großen, Europe lässt den ideologischen Stier durchgehen, wie es ihr passt. Reichen würde, den ethischen Anspruch des Grundgesetzes ernst zu nehmen. Reichen würde auch, es den Griechen gleichzumachen, das Fremde zu integrieren, anstatt es für immer auszuschließen ... etwas mehr Offenheit zu beweisen ... wir würden feststellen dürfen, das sich alles verbessern würde, das viele Problemstellungen verschwänden ... aber der gierige, machtbesessen verhärtete, nur an sich und seine hassvolle Gemütlichkeit denkende homo sapiens zeigt derart wenig Weisheit, das das Schreien der Benachteiligten uns selbst hier, 'über allen Wipfeln', die berühmte Ruhe stiehlt ... möge Europe den göttlichen Stier mehr beherrschen können, wir hätten alle was davon.

Mittwoch, Oktober 19, 2016

beschreibungen 2 /191016 flackernde impressionen


Busfahrt. Im Gefäde der Hyperaktiven, der 'normalen' Getriebenen, bin ich kontemplativ getrieben. Mir fällt Walter Benjamin ein: -Langeweile ist der Traumvogel, der das Ei der Erkenntnis ausbrütet.- Hier nur Blickfangvögel, Schädelkrieg. Meine Beile in ihren Köpfen. Bis alle Erkenntnislosen das Lied der ewigen Stille singen ...
 ... Vergittertes Fenster: Weiß. Dahinter ein weißer, ebenfalls. Clownskopf. Der Fahrer konzentriert sich: Kontrolliert kommt das Mammut voran. Traum, das der Clown sich in den Kopf schießt.
Was es gab, war das Fenster ...
Dann: Ein paar Roma steigen ein, hintere Tür. Freie Fahrt für existenzielle Gestalten. Wäre Jedermann so gut, das zu erlauben, wir wüssten es ...
... Die Frau gegenüber ist nervös vom Übergewicht. Glotzt. Jeden. An. Stresst. -Ich kenne mich nicht aus.- Baby, schwarzes Wissen würde dir auch stehen. Geschafft. Sie kuckt weg. Ich komme wieder zu mir zurück ... nightmare town.
... Kontemplativ, zurückgenommen ...
Inszenierte, lamentierende Fahrgastköpfe: Zwölf gesellschaftlich korrelierende Häupter, deren motorische Zentren die übliche, beherrschte Achterbahn fahren...
... Eine alte Frau kriegt das Zittern. Linker Hand. Dahinter eine Muslimin, mit stolzen, gottgefälligen Augen unter dem purpurnen Kopftuch. Ich fühle mich ehrenwert. Sie schaut auf meinen Adlerring und lacht. Wir kreisen über dem Berg ...
Ein volltätowierter, brauner Großkatzenkörper steigt ein. Schreitet. Vorbei. Sweet wave of beauty. Setzt. Sich. ...
... Ich atme, schaue. Mein Nicht stellt sich ein. Das  Schlachtschiff, immer noch zitternd zur linken Hand, richtet den Fangblick auf mich. Auch meine Hand bebt. Wer sie ist, die Himmel der Literatur zu stören, den Frieden entbrannt vereitelnd. MUSST SEIN! Verwünsche sie und ihre Familie bis ins vierte Glied. Sie lässt ab. Aber. Glaube. Meine Hand beruhigt sich ...
Der Bus brodelt vor Geschichten, Beschreibbarem, Lebhaftem ... wo denn die Langeweile hin ist, der Traumvogel. Ich finde ihn hier, es gibt ihn ...
... Draußen, der Kirmesplatz. Das Zelt eines Figurentheaters verheißt Verzauberung;  Holzpuppen, Schnüre. Ein LKW schiebt sich davor ... der Fahrer sieht aus wie der Clown von gerade. Ampel. Grün: Allgemeine Akzeleration.
... Einer liest ein Buch, seelenruhig. Ein Krimi. Dem Zwirn nach ist er Student. Ein Horusfalke unter Tauben und Krähen. Wie er das Buch fest hält, so sicher fährt der Bus. Hoffentlich lässt er es nicht fallen ...
Während der Fahrt scheppert, hohlblechig, eine Coladose über den Boden ... keiner hebt sie auf ... der Fahrer, bei jedem blechernen Geräusch zuckt sein Gesicht ... ich sehe es im Rückspiegel ... an der nächsten Haltestelle steht der Student auf und kickt die Dose 'raus. Der Fahrer lacht ...
... und fährt weiter. Letzte Etappe bis zum Wanne-Eickeler Bahnhof. Ich steige aus, mich interessiert: Auf einen Bahnsteig setzen und die Leute beobachten, die Züge, Geleise. Dann zur Bahnhofspresse, eine Wochenzeitung, eine Tageszeitung kaufen ...

Montag, Oktober 17, 2016

arbeitsjournal 1, vom 171016 - (Morgen)

8.40 Es wollte ein Geist mit mir 'wachen'. Nachtwache. Was soll das? Wir liegen nicht im Zelt, mit Blick auf den Himalaya. Spinnert. Die halbe Nacht da gelegen. Folge:  Ungeduschte, amputierte Lektürestunde. Kurzer Blick ins mythologische Lexikon, etwas über Spinnenfrauen notiert. Den Mythos der Syrinx bei Ovid nachgelesen. Die Entstehung der Panflöte. Wegen Bob Dylan. Zunächst die erzählerische Form kritisiert, dann als damals übliche Stilistik anerkannt ...

9.00 3 Seiten Prosa: Thriller. Dan Brown. Klischees, kitschiger Stil, wenn auch gute Ideen. Braucht schon eine krebskranke Heldin am Romananfang, um die Leser zu überzeugen ... Mir ekelt es. Wie üblich: Den Lesegoofies gefällt es, ich finde lauter Übertreibungen, ein einziges Inferno ...

9.15 Die fertigen Kurztexte durchgegangen. Manches Brauchbares. Vereinzelte
Texte brauchen noch Gesellschaft. Die besseren Literaturzeitschriften bevorzugen eine Auswahl. Bedauert, nur an freien Tagen und am Wochenende dafür Zeit zu haben ...

9.30 Bomm, bedromm bomm! Musik mit Chören, mythische Hymnen treiben mir den Geist zum Licht.

10.00 Weltlage. Was ist mit Mossul? Entschluss, das dreckige Wäsche waschen Trumps fortan zu ignorieren (Ami: Wir sind stolz darauf! Ich: Ich nicht.), und ja, die Ungarn wehren sich endlich gegen Fidesz. Wurde auch Zeit.

10.15 Die Feuilletons quellen  immer noch über vor Bob. Dylan hier, da und dort. Der alte Mann und sein Preis. Sein frühes Buch Tarantula auf den Lesetisch gelegt. Sonst wenig Relevantes.

11.00 Arbeit am Roman. Die Plottingphase liegt hinter mir, ich komme ins Schreiben. Katja ist mir schon sympathisch. Die vom Leben, vom Krieg und ihrer Ehe zerrüttete, ewige Unterdrückte. Die schon froh ist, das sie sich nicht mehr aufhängen will. Das gefällt. Der Prolog, immerhin das lernen wir von Dan Brown, muss deutlich länger, die erzählerische Rahmung muss präzisiert werden ... Katjas Erlebnisse, ihren Status quo, zu beschreiben, das sind ca. 10 Seiten, vllt. mehr ...



Donnerstag, Oktober 13, 2016

beschreibungen 1 /131016 hecate und greifenvögel

Über den frühen Straßen Nebel, das Murren der Leute hat aufgehört. Nur vereinzelte graue Gedanken durchschneiden noch das Aerial. Menschen, zeitwärts Wege gehend, Läufte machend, im Ticken ihrer Gangart schon beherrscht. Haben sie die Zeit gefunden, manche wissen es nicht. Sie scheitern. Scheiterhaufen? Nein. Tätige Automaten.
Später. Rauch steigt aus dem Stäbchensarg. Inzidenzien, gekräuselt; Kerzen. Die Ideen steigen, Phönix, aus dem Mythologenbuch. Hecate und Greifenvögel. Sie sitzen im Weltenmeer auf einem gesprungenen Ei und malen Frauenköpfe auf geistige Leinwände. Was bleibt, ist kalter Kaffee. Schütte ihn weg, Siegfried oder der Drache muss sich schämen.
Vormittag. Tabak krümelt. Lappen, Tisch. Fernsehen. Zwei dicke Komiker tanzen vor den Spiegeln, die in mir sind. Gott kommt als Eva und erlaubt eine Folge. Nach Zweien werden die Spiegel unscharf, Rekalibration auf Weiteres. Lautlos geblieben.
Bert Brecht, April 1941. Exil: "Meine beiden Produktionsmittel, die Zigarren und die Kriminalromane, gehen aus und müssen rationalisiert werden." Von meinen ist genug da: Zigaretten, bisschen Alkohol, Fernsehen: Arte. Exilant, literarischer Dissident, bin ich, nur gefühlt, ebenfalls. Ehrenexilant in meiner Wohnhöhle. Gottes Schwert, Wortfinder, alles, was irgendwie nützt. Wozu nützt?
Mittag. Arte Journal: Haiti. Das zu oft zerstörte Land versinkt erneut im kollektiven Schmerzensmeer. Eine fröhlich wehende Fahne steht auf einem Schuttberg. Die im Hurrikan durchgebrochenen Leben kehren trotzdem nie zurück. Die große Sturmschwalbe war Schuld, klagt die Götter an, sie haben euch weh getan!
Mein tägliches Brot: Ich halte Gericht über die Toten und manche der Lebenden. Heute aus aktuellem Anlass Heidegger in den Tartarus geschickt. Als hängenden Lebensfaden, der ewig schreit.
Interludium Twitter: Dario Fo ist tot. Ja, der hat ewig in den Himmeln der theatralischen Komik an seiner Heiterkeit gefeilt. Ein großer Verlust.
 Seit Tagen gewartet: Wer bekommt den Literaturnobelpreis? Manche der Gewaltigen halten sich seit zwölf Uhr nervös an einem Whiskey oder, bei Adonis, einem Raki fest. Das Erratische der Verleihung zaubert immer aufs Neue überraschende literarische Meister hervor ...

.. 12.35 Gewisper und Gemurmel aus Stockholm, hauptsächlich ältere Männer,  klassizistische Fassade, Märcheninsel. Sehnsuchtsort für Literaten. Kameras suchen noch leere Flächen ab ... dann Punkt 13.00, tritt die Magistratin auf und benennt Bob Dylan! Ein Wahnsinn!







Montag, August 03, 2015

was das Theater ist und was es kann

Das heutige Theater erzeugt Sinn für die Gesellschaft, in der theatralen Abbildung der Wirklichkeit werden Kritiken, Untersuchungen, Geschichten und Ästhetisierungen oder Spiele möglich, die in der Lage sind, Empfindungen, Wahrnehmung, Denken und Verhalten der Zuschauenden in Frage zu stellen oder gar, das alte Lied, diese Dinge zu verändern. Im Theater bekommen wir die Chance, spielerisch Perspektiven zu wechseln oder Illusionen niederzureißen, was unglaublich wichtig ist, da dazu kaum Jemand von sich aus fähig ist. Im Gegensatz zur Literatur oder zum Film besticht das Theater durch seine wirkliche Existenz, es ist ein sichtbar gemachter, fiktiver, dreidimensionaler Raum. Diese Existenz steigert die Intensität der Erfahrung dadurch, dass die Zuschauer die Wirklichkeit und ihre Natur als Traumbild so besser begreifen können. Doch diese Traummaschine kann noch weit mehr, als die Realität als Fiktion begreifen zu lassen. Wir lernen, die Wirklichkeit und ihre Diskurse durch spezielle Ästhetiken und Show, Unterhaltung, besser zu verstehen. Das Theater nimmt uns die Angst vor dem Ausgeliefertsein des Unwissenden, es reißt uns den Schleier von den Augen, gibt uns die, wenn auch geringe, Freiheit, alles selbst sehen zu können. Die Mythologien aller Zeiten hatten denselben Zweck. Theater ist Ordnungsfunktion, Erklärungsmaschine.
Um diese Erklärungsmaschine sein zu können, müssen Theatermacher bestimmte Eigenschaften haben: Diese Leute sind heute interdisziplinär gebildet und geschult in szenischem Denken. Darüber hinaus  beweisen Viele die Fähigkeit, sich den Konflikten, Problemen, Kriegen dieser Welt oder dem Leiden als pars pro toto dafür, brutal auszusetzen. Das erfordert eine abgehärtete Psyche und unendlich viel das, was vielleicht hier als emphatisches Bewusstsein stehen kann. Dazu hilft es, zu wissen, das alles, das wir erleiden etwas Menschliches ist.  Das Theater weiß das. Es weiß alles über den Menschen und wie er ist oder sein könnte. Was er aushalten kann. Oder eben nicht. Auch daraus entsteht die Moral des Theaters. Aber das Theater und die, die es schaffen, wissen, dass das Leben ein Fest ist, das gefeiert werden muss. Es ist schließlich aus dem Dionysoskult entstanden, aus Fruchtbarkeitsriten.  Das sollten wir nie vergessen. Also: Party on!

Donnerstag, Dezember 04, 2014

Ballad of Gitmo

Im Frühlicht den heutigen Ayat murmelnd
-Dir allein dienen wir,
und dich allein bitten wir um Hilfe-[1]
Am schwarzen Ort strecken sich seine
Hände durch kleine Öffnungen
Augen, dunkel wie der Ort,
angsterfüllt,
saugen das Himmelslicht ein
bleiben destotrotz finster
der Schmerz frisst das Licht
-Doch Allah ist huldvoll gegen alle Welten-
Was er sieht, ist Stacheldraht,
dahinter stars and stripes und
das rote Schild mit einem gelben M,
wie könnte es anders sein
und das blaue Meereswasser
wenn er es sieht in seiner SEELEN-Nacktheit
leidwund in Psychosen verstrickt durch
kleine Piekser mit diversen Spritzen
psychodrogen dauerverhöre fussfesseln
mürbegemacht zerstört irre geworden
nein er schaut und sieht: wie blind.
in den Schatten seiner gezwungenen Existenz
hilft ihm nur der Limbus seiner Gebete-
-Friede sei auf Moses und Aaron- rezitiert er manchmal
An EYE FOR AN EYE thought g.w. and drank his whiskey
dachte der Wärter das hörend
und sie zerrten ihn in den Verhörraum
:THE TORTURER WAS 20 HOURS IN OPERATION:
IM GEFANGENEN KAUM MEHR LICHT
die Folterknechte gehen Burger fressen
währenddessen bricht die Seele durch
Letztes Murmeln
-Ich nehme meine Zuflucht zum Gott der Menschen vor dem Übel des Einflüsterers-
Jäher Ruck
LIGHT OF PARADISE
Sein Kopf hängt in einem Strick aus Lumpen
im Achselzucken der Militärpolizisten
steht die Morgenröte über der Bay
Eindringendes Frühlicht
A BLOODY WRITING ON THE WALL:
Nicht schuldig! (auf arabisch)
 
[1] Die in Spiegelstrichen eingefassten Zeilen sind Ayats aus dem Koran

Dienstag, November 04, 2014

Träume reiten

Der irreale Mensch, der, den der Autor erfunden hat, irrealisiert sich durch die Seiten. So irreal wie die Stille, die über den Träumen der Leser liegt, die der Autor verbrochen hat, Nämlich gar nicht irreal, sondern in der Tiefe wirklich, ja wirklicher als Außeneindrücke, wahrgenommene Linseneindrücke. Im Licht des Imaginären lebt anderländische Welt, irreal nur die gedankenlosen Träume, die, die wir nicht weiter verfolgen. Die linearen Ketten im Text abgelegter Wörter
werden von uns nicht gesprengt. Nichts ist wirklicher als Buchstaben, Buchstaben, die Träume reiten wie Dressurpferde.

Samstag, September 27, 2014

Du sollst nicht lesen!

Es gibt Leute, die selbst nicht lesen, nie gelesen haben. Die wollen mitunter bei Schreibenden mit Gewalt das Gebot: Du sollst nicht lesen! durchsetzen.

Man stelle sich vor, warum die das so machen:
Lesen ist was für Kinder, ist Flucht vor dem Leben. Und so'n selbsternannter Schriftsteller, nebenbei, das ist nichts anständiges, der muss nur schreiben, wenn der morgens lesen will, das ist zu früh, wenn der nachmittags lesen will, noch dazu auf der Couch, dann müssen wir uns schämen, denn: wo bleibt denn da die Disziplin. Und wenn der abends lesen will, dann schläft der ein. Lesen macht nur wirr, man denkt dann nicht mehr an uns, Lesen ist schädlich. Und dann noch Romane. Gut, er schreibt Romane, aber Romane lesen ist schädlich. Zwanzig Minuten gönnen wir ihm, wenn er länger liest, kriegt er wieder dieses Arschgefühl. Wenn der einen Klassiker liest, versteht der mit uns bestimmt kein Wort. Obwohl er sowas studiert hat. Hahaha! Bei uns wird er sich nie konzentrieren können, solange lenken wir ihn ab, dass ihm die Ohren klingen und er entnervt das Buch auf den Boden knallt. Wenn er dann nicht aufgibt, kriegt er Krämpfe. Wir haben das so beschlossen. Und wir ziehen das jahrelang durch, ohne, dass der das wirklich versteht. Scheiß Bildungsbürger! Der hat nix richtiges gelernt und dafür machen wir den zur Sau. Hinterher wird der noch intelligenter: Das darf auf keinen Fall passieren! Wo bleiben wir denn sonst? Wenn der liest, kann der mit uns alles machen. Also: Einfach Daumen drauf und gut ist's! Hahahahaha ...

Mir grauset es ...

Donnerstag, September 25, 2014

Eigentlich

Eigentlich habe ich Ihnen nichts zu sagen. Nein, eigentlich nicht. Wissen Sie, nicht das ich Ihnen nicht unbedingt was erzählen wollte, nein, das nicht. Bestimmt nicht. Ich hätte Ihnen einiges zu sagen, da können Sie davon ausgehen. Sogar nicht nur einiges. Nein, sondern sehr viel. So viel, das können Sie sich gar nicht vorstellen, nicht. Aber schon viel. Mehr als Sie glauben. Ich könnte Ihnen sagen, was ich unbedingt noch sagen wollte. Das würde ich wirklich gerne tun. Ich hätte so viel zu erzählen. So viel. Doch ich schweige lieber. Obwohl, lieber nicht. Aber ich tu’s. Vom Weltschmerz könnte ich Ihnen erzählen, vom Verlust des Sinns oder der menschlichen Bedingung, zu leben und zu sterben, zu leben und zu sterben, nichts weiter als das, sterben. Und vorher leben. So lange, wie möglich. Dem Knochenmann ins dreckige Gesicht lachen und leben. Ja leben. Leben. Und den anderen helfen, nicht nur, wenn ihre Schreie zu laut werden, nicht nur, wenn man dazu gezwungen ist. Mitgefühl zeigen. Und traurig sein, dass alle Deine Freunde sterben werden, sterben müssen. Wenn das nicht gesagt werden kann, kann gar nichts gesagt werden. Ja und frei sein. Freiheit, wie wichtig die is‘. Das würde ich unbedingt noch feststellen müssen, das würde ich feststellen, behaupten, herausschreien wollen. Unbedingt. Aber eigentlich geht das nicht. Nein, leider nicht. Wissen Sie, ich habe geschworen, nichts zu sagen. Ich fließe über vor dem, was ich noch unbedingt sagen wollte. Allein, es geht nicht. Weil ich nicht darf. Ich darf einfach nicht. Ich darf nichts sagen. NICHTS. Verstehen Sie das?