Das Wesen der Fiktion ist der Traum in einer parallelen Welt. Das Buch und ich, der Text und mein Hirn, wir sind woanders, in another place and time und die Musen tanzen uns dahin.
Die großheilige Fantasie erlaubt uns, aus linearen Wörterketten Träume zu schöpfen, die wirkliche Welt können wir während der Lektüre nicht brauchen. Das dies kein blindes Problem ist, sollte klar sein, wenn wir bedenken, das unsere Lese-Träume ja auf die Welt verweisen, sie beschreiben. In irgendeiner Facette. Das schenkt uns die wirklichere Welt, der normale Vielleser ist durch seine Lektüre sehr weltlastig, weil er mehr versteht. Und lebt beim Lesen oder Schauen doch parallel.
Die parallele Welt der Romane ist gut, wenn sie mit der wirklichen Welt deckungsgleich sein könnnte. Das ist die heilige Monstranz: Wenn wir es glauben. Das, was da steht.
Gute Prosa sagt uns besser, wie die Welt ist. Fiktionen sind sonnengeborene Wesenheiten, Gespinste, die uns aufnehmen und zu Vogelscheuchen oder Giftmord zum Beispiel auch etwas zu sagen haben. Wer liest, interessiert sich für Alles, egal, was es ist. Auch das ist nicht weiter verwunderlich, der, der über so ferne Themen wie Korruption in Argentinien oder das Leben in Bergdörfern gelesen hat, wird im Leben nicht von irgendwas gelangweilt sein. Höchstens gelangweilt im Sinn von ruhiger, leiser sein, Geduld haben.
Wir leben zum Teil so sehr in fiktionalen Welten, das wir selbst zur Fiktion werden. Fernsehen, Internet, Literatur, überall wird erzählt, wie es als Mensch so wäre. Und wir verhalten uns danach ... die gängigen Narrative haben wir uns lange angeeignet ... nicht in dem Sinne, das ich einen Mord aus dem Tatort imitiere, sondern in der Art, wie wir unsere Zigaretten halten, welche Sprachmuster wir benutzen oder wie wir uns verhalten, die ewige Fiktion hat uns diese Dinge mehr normiert, als wir glauben.
Wenn die Fiktionen uns stärker prägten, als Schule, Umfeld, Familie, dann kann es nichts Sinnvolleres geben, als sich weiter von Fiktionen bilden zu lassen ...
Auch der neue James Bond-Film ist so letztlich nur ein Bildungsroman.
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Sonntag, September 02, 2018
Dienstag, Oktober 25, 2016
arbeitsjournal 2 /241016
Gestern Abend krank. Also, heute statt der gewohnten Lektüre, früh, den Blogartikel fertig stellen, damit ich rechtzeitig veröffentlichen kann. Klappt alles ...
Kaffeepause.
... Dann, etwas Netzwerken, den Artikel bei Facebook und Twitter bewerben ...
... die Friedenspreisrede von gestern, mich interessiert der Text naturgemäß mehr als der TV-Event-Pomp, deshalb in schriftlicher Form, von der Seite des Friedenspreises kopieren und in meine Zeitläufte einfügen: Mein Weltgedächtnis bereichern. Das digitale Archiv ist so privat. Für mich. Ich lese die Rede und markiere Wichtiges in grün, rot und grau. Drei Mal grau. Gesamteindruck: Es geht Frau Emcke um Individualität, Zugehörigkeit. um den Kampf gegen das ständige Setzen von Differenzen, et cetera. ...
... Politikrecherche: US-Wahl, Irak, Flüchtlinge. Trump trompetet so langsam aus, im Irak stellt sich die Frage, wie schnell sich die momentane Allianz gegen IS nach dem 'Sieg' entzweien und gegenseitig bekämpfen wird und das Flucht kein Verbrechen ist, wissen wir alle. ...
Müsli.
Lektüre. Zweiter Kaffee. Ein Kapitel Siri Hustvedt, es geht um Kunst, Bücher und Liebe. Gefällt mir. Ein kurzes, mich dieses Mal überzeugendes Kapitel aus Dan Browns Feder. Mythisch, spannend, real. Dazu ein paar Seiten aus Martin Walsers großem Goetheroman.
Ich klappe das Buch zu und stelle mir, wie manchmal, Goethe, unter einer seiner Statuen, auf der Treppe stehend, vor wie er seine Finger über den Geländermarmor gleiten lässt und raunt: -Was Du so gedacht hast, lieber Kriegsgott? ...
Rohkost: Gurke. Halbe Stunde Pause. Die Neuerscheinungen von der Messe müssten bald da sein ...
... Arbeit am Roman: Nach den ersten fünf Romanseiten Katja ist jetzt erst mal Martin dran ... den von Grund auf zu erfinden/definieren, wird mir ein wichtiges Ereignis sein. Da er der 'Böse' ist, muss ich darauf achten, seine positiven Seiten herauszustellen ... es wird sonst unglaubwürdig ... Im großen Plot ein paar Dinge geändert ... Frage, ob sich der Roman auf die Innenwelten ( + Gespräche) beschränken soll oder ob wir uns auch ein bisschen Darstellung/Beschreibung von Außenwelt gönnen ...
Mittagspause: Arte Journal, mein Brot. Fegen.
... Dramatik: Entscheidung, im ersten Teil der Elektraüberschreibung der sophokleischen Strukturvorgabe zu folgen, nur die Struktur, inhaltlich spielt das Stück vA gegenwartsbezüglich.
Der Antikenmythos und die Situation der griechischen Tragödie sollen aber auf der Bühne wirkmächtig werden ... Problem, das gewählte Hartz-IV-Milieu dafür vielleicht verlassen zu müssen. ... Entscheidung darüber aufgeschoben.
Das bestellte Buch mit Elektratexten aus drei Jahrtausenden wird vermutlich einiges erhellen ... ach, die zwei Elektraseminare an der Uni fallen mir ein, das Buch hätte da gut rein gepasst. Der entsprechende Professor hat damit mein Interesse am Mythos aufgeweckt. Tolle Zeit!
... Außerdem zu wenig Tragödientheorie gemacht. Hänge noch bei Schiller ... beschlossen, den politischen Aspekt des Theaters stärker zu machen, vielleicht Elektra vom Grundgesetz aus zu verorten, oder, Rene Girard miteinbeziehen, was fällt mir noch ein: Kastration des psychologischen Begriffs des Elektrakomplexes oder Sophokles, Hofmannsthal und Sartre dialogisieren die Unterschiede ihrer eigenen Elektraversionen zu dieser oä ... ..
Sechzehn Uhr, Feierabend. ...
Vorabend. Arbeit am Blog. Social Media, Nachrichten im Fernsehen. Pause.
Abend: Etwas Lektüre. ...
Kaffeepause.
... Dann, etwas Netzwerken, den Artikel bei Facebook und Twitter bewerben ...
... die Friedenspreisrede von gestern, mich interessiert der Text naturgemäß mehr als der TV-Event-Pomp, deshalb in schriftlicher Form, von der Seite des Friedenspreises kopieren und in meine Zeitläufte einfügen: Mein Weltgedächtnis bereichern. Das digitale Archiv ist so privat. Für mich. Ich lese die Rede und markiere Wichtiges in grün, rot und grau. Drei Mal grau. Gesamteindruck: Es geht Frau Emcke um Individualität, Zugehörigkeit. um den Kampf gegen das ständige Setzen von Differenzen, et cetera. ...
... Politikrecherche: US-Wahl, Irak, Flüchtlinge. Trump trompetet so langsam aus, im Irak stellt sich die Frage, wie schnell sich die momentane Allianz gegen IS nach dem 'Sieg' entzweien und gegenseitig bekämpfen wird und das Flucht kein Verbrechen ist, wissen wir alle. ...
Müsli.
Lektüre. Zweiter Kaffee. Ein Kapitel Siri Hustvedt, es geht um Kunst, Bücher und Liebe. Gefällt mir. Ein kurzes, mich dieses Mal überzeugendes Kapitel aus Dan Browns Feder. Mythisch, spannend, real. Dazu ein paar Seiten aus Martin Walsers großem Goetheroman.
Ich klappe das Buch zu und stelle mir, wie manchmal, Goethe, unter einer seiner Statuen, auf der Treppe stehend, vor wie er seine Finger über den Geländermarmor gleiten lässt und raunt: -Was Du so gedacht hast, lieber Kriegsgott? ...
Rohkost: Gurke. Halbe Stunde Pause. Die Neuerscheinungen von der Messe müssten bald da sein ...
... Arbeit am Roman: Nach den ersten fünf Romanseiten Katja ist jetzt erst mal Martin dran ... den von Grund auf zu erfinden/definieren, wird mir ein wichtiges Ereignis sein. Da er der 'Böse' ist, muss ich darauf achten, seine positiven Seiten herauszustellen ... es wird sonst unglaubwürdig ... Im großen Plot ein paar Dinge geändert ... Frage, ob sich der Roman auf die Innenwelten ( + Gespräche) beschränken soll oder ob wir uns auch ein bisschen Darstellung/Beschreibung von Außenwelt gönnen ...
Mittagspause: Arte Journal, mein Brot. Fegen.
... Dramatik: Entscheidung, im ersten Teil der Elektraüberschreibung der sophokleischen Strukturvorgabe zu folgen, nur die Struktur, inhaltlich spielt das Stück vA gegenwartsbezüglich.
Der Antikenmythos und die Situation der griechischen Tragödie sollen aber auf der Bühne wirkmächtig werden ... Problem, das gewählte Hartz-IV-Milieu dafür vielleicht verlassen zu müssen. ... Entscheidung darüber aufgeschoben.
Das bestellte Buch mit Elektratexten aus drei Jahrtausenden wird vermutlich einiges erhellen ... ach, die zwei Elektraseminare an der Uni fallen mir ein, das Buch hätte da gut rein gepasst. Der entsprechende Professor hat damit mein Interesse am Mythos aufgeweckt. Tolle Zeit!
... Außerdem zu wenig Tragödientheorie gemacht. Hänge noch bei Schiller ... beschlossen, den politischen Aspekt des Theaters stärker zu machen, vielleicht Elektra vom Grundgesetz aus zu verorten, oder, Rene Girard miteinbeziehen, was fällt mir noch ein: Kastration des psychologischen Begriffs des Elektrakomplexes oder Sophokles, Hofmannsthal und Sartre dialogisieren die Unterschiede ihrer eigenen Elektraversionen zu dieser oä ... ..
Sechzehn Uhr, Feierabend. ...
Vorabend. Arbeit am Blog. Social Media, Nachrichten im Fernsehen. Pause.
Abend: Etwas Lektüre. ...
Montag, Oktober 17, 2016
arbeitsjournal 1, vom 171016 - (Morgen)
8.40 Es wollte ein Geist mit mir 'wachen'. Nachtwache. Was soll das? Wir liegen nicht im Zelt, mit Blick auf den Himalaya. Spinnert. Die halbe Nacht da gelegen. Folge: Ungeduschte, amputierte Lektürestunde. Kurzer Blick ins mythologische Lexikon, etwas über Spinnenfrauen notiert. Den Mythos der Syrinx bei Ovid nachgelesen. Die Entstehung der Panflöte. Wegen Bob Dylan. Zunächst die erzählerische Form kritisiert, dann als damals übliche Stilistik anerkannt ...
9.00 3 Seiten Prosa: Thriller. Dan Brown. Klischees, kitschiger Stil, wenn auch gute Ideen. Braucht schon eine krebskranke Heldin am Romananfang, um die Leser zu überzeugen ... Mir ekelt es. Wie üblich: Den Lesegoofies gefällt es, ich finde lauter Übertreibungen, ein einziges Inferno ...
9.15 Die fertigen Kurztexte durchgegangen. Manches Brauchbares. Vereinzelte
Texte brauchen noch Gesellschaft. Die besseren Literaturzeitschriften bevorzugen eine Auswahl. Bedauert, nur an freien Tagen und am Wochenende dafür Zeit zu haben ...
9.30 Bomm, bedromm bomm! Musik mit Chören, mythische Hymnen treiben mir den Geist zum Licht.
10.00 Weltlage. Was ist mit Mossul? Entschluss, das dreckige Wäsche waschen Trumps fortan zu ignorieren (Ami: Wir sind stolz darauf! Ich: Ich nicht.), und ja, die Ungarn wehren sich endlich gegen Fidesz. Wurde auch Zeit.
10.15 Die Feuilletons quellen immer noch über vor Bob. Dylan hier, da und dort. Der alte Mann und sein Preis. Sein frühes Buch Tarantula auf den Lesetisch gelegt. Sonst wenig Relevantes.
11.00 Arbeit am Roman. Die Plottingphase liegt hinter mir, ich komme ins Schreiben. Katja ist mir schon sympathisch. Die vom Leben, vom Krieg und ihrer Ehe zerrüttete, ewige Unterdrückte. Die schon froh ist, das sie sich nicht mehr aufhängen will. Das gefällt. Der Prolog, immerhin das lernen wir von Dan Brown, muss deutlich länger, die erzählerische Rahmung muss präzisiert werden ... Katjas Erlebnisse, ihren Status quo, zu beschreiben, das sind ca. 10 Seiten, vllt. mehr ...
9.00 3 Seiten Prosa: Thriller. Dan Brown. Klischees, kitschiger Stil, wenn auch gute Ideen. Braucht schon eine krebskranke Heldin am Romananfang, um die Leser zu überzeugen ... Mir ekelt es. Wie üblich: Den Lesegoofies gefällt es, ich finde lauter Übertreibungen, ein einziges Inferno ...
9.15 Die fertigen Kurztexte durchgegangen. Manches Brauchbares. Vereinzelte
Texte brauchen noch Gesellschaft. Die besseren Literaturzeitschriften bevorzugen eine Auswahl. Bedauert, nur an freien Tagen und am Wochenende dafür Zeit zu haben ...
9.30 Bomm, bedromm bomm! Musik mit Chören, mythische Hymnen treiben mir den Geist zum Licht.
10.00 Weltlage. Was ist mit Mossul? Entschluss, das dreckige Wäsche waschen Trumps fortan zu ignorieren (Ami: Wir sind stolz darauf! Ich: Ich nicht.), und ja, die Ungarn wehren sich endlich gegen Fidesz. Wurde auch Zeit.
10.15 Die Feuilletons quellen immer noch über vor Bob. Dylan hier, da und dort. Der alte Mann und sein Preis. Sein frühes Buch Tarantula auf den Lesetisch gelegt. Sonst wenig Relevantes.
11.00 Arbeit am Roman. Die Plottingphase liegt hinter mir, ich komme ins Schreiben. Katja ist mir schon sympathisch. Die vom Leben, vom Krieg und ihrer Ehe zerrüttete, ewige Unterdrückte. Die schon froh ist, das sie sich nicht mehr aufhängen will. Das gefällt. Der Prolog, immerhin das lernen wir von Dan Brown, muss deutlich länger, die erzählerische Rahmung muss präzisiert werden ... Katjas Erlebnisse, ihren Status quo, zu beschreiben, das sind ca. 10 Seiten, vllt. mehr ...
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Donnerstag, Oktober 13, 2016
beschreibungen 1 /131016 hecate und greifenvögel
Über den frühen Straßen Nebel, das Murren der Leute hat aufgehört. Nur vereinzelte graue Gedanken durchschneiden noch das Aerial. Menschen, zeitwärts Wege gehend, Läufte machend, im Ticken ihrer Gangart schon beherrscht. Haben sie die Zeit gefunden, manche wissen es nicht. Sie scheitern. Scheiterhaufen? Nein. Tätige Automaten.
Später. Rauch steigt aus dem Stäbchensarg. Inzidenzien, gekräuselt; Kerzen. Die Ideen steigen, Phönix, aus dem Mythologenbuch. Hecate und Greifenvögel. Sie sitzen im Weltenmeer auf einem gesprungenen Ei und malen Frauenköpfe auf geistige Leinwände. Was bleibt, ist kalter Kaffee. Schütte ihn weg, Siegfried oder der Drache muss sich schämen.
Vormittag. Tabak krümelt. Lappen, Tisch. Fernsehen. Zwei dicke Komiker tanzen vor den Spiegeln, die in mir sind. Gott kommt als Eva und erlaubt eine Folge. Nach Zweien werden die Spiegel unscharf, Rekalibration auf Weiteres. Lautlos geblieben.
Bert Brecht, April 1941. Exil: "Meine beiden Produktionsmittel, die Zigarren und die Kriminalromane, gehen aus und müssen rationalisiert werden." Von meinen ist genug da: Zigaretten, bisschen Alkohol, Fernsehen: Arte. Exilant, literarischer Dissident, bin ich, nur gefühlt, ebenfalls. Ehrenexilant in meiner Wohnhöhle. Gottes Schwert, Wortfinder, alles, was irgendwie nützt. Wozu nützt?
Mittag. Arte Journal: Haiti. Das zu oft zerstörte Land versinkt erneut im kollektiven Schmerzensmeer. Eine fröhlich wehende Fahne steht auf einem Schuttberg. Die im Hurrikan durchgebrochenen Leben kehren trotzdem nie zurück. Die große Sturmschwalbe war Schuld, klagt die Götter an, sie haben euch weh getan!
Mein tägliches Brot: Ich halte Gericht über die Toten und manche der Lebenden. Heute aus aktuellem Anlass Heidegger in den Tartarus geschickt. Als hängenden Lebensfaden, der ewig schreit.
Interludium Twitter: Dario Fo ist tot. Ja, der hat ewig in den Himmeln der theatralischen Komik an seiner Heiterkeit gefeilt. Ein großer Verlust.
Seit Tagen gewartet: Wer bekommt den Literaturnobelpreis? Manche der Gewaltigen halten sich seit zwölf Uhr nervös an einem Whiskey oder, bei Adonis, einem Raki fest. Das Erratische der Verleihung zaubert immer aufs Neue überraschende literarische Meister hervor ...
.. 12.35 Gewisper und Gemurmel aus Stockholm, hauptsächlich ältere Männer, klassizistische Fassade, Märcheninsel. Sehnsuchtsort für Literaten. Kameras suchen noch leere Flächen ab ... dann Punkt 13.00, tritt die Magistratin auf und benennt Bob Dylan! Ein Wahnsinn!
Später. Rauch steigt aus dem Stäbchensarg. Inzidenzien, gekräuselt; Kerzen. Die Ideen steigen, Phönix, aus dem Mythologenbuch. Hecate und Greifenvögel. Sie sitzen im Weltenmeer auf einem gesprungenen Ei und malen Frauenköpfe auf geistige Leinwände. Was bleibt, ist kalter Kaffee. Schütte ihn weg, Siegfried oder der Drache muss sich schämen.
Vormittag. Tabak krümelt. Lappen, Tisch. Fernsehen. Zwei dicke Komiker tanzen vor den Spiegeln, die in mir sind. Gott kommt als Eva und erlaubt eine Folge. Nach Zweien werden die Spiegel unscharf, Rekalibration auf Weiteres. Lautlos geblieben.
Bert Brecht, April 1941. Exil: "Meine beiden Produktionsmittel, die Zigarren und die Kriminalromane, gehen aus und müssen rationalisiert werden." Von meinen ist genug da: Zigaretten, bisschen Alkohol, Fernsehen: Arte. Exilant, literarischer Dissident, bin ich, nur gefühlt, ebenfalls. Ehrenexilant in meiner Wohnhöhle. Gottes Schwert, Wortfinder, alles, was irgendwie nützt. Wozu nützt?
Mittag. Arte Journal: Haiti. Das zu oft zerstörte Land versinkt erneut im kollektiven Schmerzensmeer. Eine fröhlich wehende Fahne steht auf einem Schuttberg. Die im Hurrikan durchgebrochenen Leben kehren trotzdem nie zurück. Die große Sturmschwalbe war Schuld, klagt die Götter an, sie haben euch weh getan!
Mein tägliches Brot: Ich halte Gericht über die Toten und manche der Lebenden. Heute aus aktuellem Anlass Heidegger in den Tartarus geschickt. Als hängenden Lebensfaden, der ewig schreit.
Interludium Twitter: Dario Fo ist tot. Ja, der hat ewig in den Himmeln der theatralischen Komik an seiner Heiterkeit gefeilt. Ein großer Verlust.
Seit Tagen gewartet: Wer bekommt den Literaturnobelpreis? Manche der Gewaltigen halten sich seit zwölf Uhr nervös an einem Whiskey oder, bei Adonis, einem Raki fest. Das Erratische der Verleihung zaubert immer aufs Neue überraschende literarische Meister hervor ...
.. 12.35 Gewisper und Gemurmel aus Stockholm, hauptsächlich ältere Männer, klassizistische Fassade, Märcheninsel. Sehnsuchtsort für Literaten. Kameras suchen noch leere Flächen ab ... dann Punkt 13.00, tritt die Magistratin auf und benennt Bob Dylan! Ein Wahnsinn!
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Montag, August 03, 2015
was das Theater ist und was es kann
Das heutige Theater erzeugt Sinn für die Gesellschaft, in der theatralen Abbildung der Wirklichkeit werden Kritiken, Untersuchungen, Geschichten und Ästhetisierungen oder Spiele möglich, die in der Lage sind, Empfindungen, Wahrnehmung, Denken und Verhalten der Zuschauenden in Frage zu stellen oder gar, das alte Lied, diese Dinge zu verändern. Im Theater bekommen wir die Chance, spielerisch Perspektiven zu wechseln oder Illusionen niederzureißen, was unglaublich wichtig ist, da dazu kaum Jemand von sich aus fähig ist. Im Gegensatz zur Literatur oder zum Film besticht das Theater durch seine wirkliche Existenz, es ist ein sichtbar gemachter, fiktiver, dreidimensionaler Raum. Diese Existenz steigert die Intensität der Erfahrung dadurch, dass die Zuschauer die Wirklichkeit und ihre Natur als Traumbild so besser begreifen können. Doch diese Traummaschine kann noch weit mehr, als die Realität als Fiktion begreifen zu lassen. Wir lernen, die Wirklichkeit und ihre Diskurse durch spezielle Ästhetiken und Show, Unterhaltung, besser zu verstehen. Das Theater nimmt uns die Angst vor dem Ausgeliefertsein des Unwissenden, es reißt uns den Schleier von den Augen, gibt uns die, wenn auch geringe, Freiheit, alles selbst sehen zu können. Die Mythologien aller Zeiten hatten denselben Zweck. Theater ist Ordnungsfunktion, Erklärungsmaschine.
Um diese Erklärungsmaschine sein zu können, müssen Theatermacher bestimmte Eigenschaften haben: Diese Leute sind heute interdisziplinär gebildet und geschult in szenischem Denken. Darüber hinaus beweisen Viele die Fähigkeit, sich den Konflikten, Problemen, Kriegen dieser Welt oder dem Leiden als pars pro toto dafür, brutal auszusetzen. Das erfordert eine abgehärtete Psyche und unendlich viel das, was vielleicht hier als emphatisches Bewusstsein stehen kann. Dazu hilft es, zu wissen, das alles, das wir erleiden etwas Menschliches ist. Das Theater weiß das. Es weiß alles über den Menschen und wie er ist oder sein könnte. Was er aushalten kann. Oder eben nicht. Auch daraus entsteht die Moral des Theaters. Aber das Theater und die, die es schaffen, wissen, dass das Leben ein Fest ist, das gefeiert werden muss. Es ist schließlich aus dem Dionysoskult entstanden, aus Fruchtbarkeitsriten. Das sollten wir nie vergessen. Also: Party on!
Um diese Erklärungsmaschine sein zu können, müssen Theatermacher bestimmte Eigenschaften haben: Diese Leute sind heute interdisziplinär gebildet und geschult in szenischem Denken. Darüber hinaus beweisen Viele die Fähigkeit, sich den Konflikten, Problemen, Kriegen dieser Welt oder dem Leiden als pars pro toto dafür, brutal auszusetzen. Das erfordert eine abgehärtete Psyche und unendlich viel das, was vielleicht hier als emphatisches Bewusstsein stehen kann. Dazu hilft es, zu wissen, das alles, das wir erleiden etwas Menschliches ist. Das Theater weiß das. Es weiß alles über den Menschen und wie er ist oder sein könnte. Was er aushalten kann. Oder eben nicht. Auch daraus entsteht die Moral des Theaters. Aber das Theater und die, die es schaffen, wissen, dass das Leben ein Fest ist, das gefeiert werden muss. Es ist schließlich aus dem Dionysoskult entstanden, aus Fruchtbarkeitsriten. Das sollten wir nie vergessen. Also: Party on!
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Zuschauer
Donnerstag, April 17, 2014
Echte Osterhasen grasen das Feld ab
Na, ja, Ostern ist für mich die Möglichkeit, mich einmal im Jahr auf der Basis einer Religionskritik mit dramatischen Mitteln auch den Binnendiskursen der christlichen Religion zu nähern. Die daraus entstehenden Texte sollen Ausgangspunkt einer gleichsam tiefensymbolischen, theatralen Kritik der christlichen Problem-KOMPLEXE sein (ganz, ganz grob in die Richtung von Großmeister Castellucci), vllt. gespiegelt durch eine Umdeutung ins Politisch Sakrale. Also, grasen wir das christliche Feld für das Theater ab, in diesen Tagen, da der Christen mythische Macht am Zenit ihrer erzählerischen und bildhaften Wirkmächtigkeit steht, zu Ostern und beschäftigen wir uns damit, christliche Bedeutungskomplexe wie Angst/Strafe/Sünde/Schuld/Kontrolle/ Macht/ Panoptismus/Psychose an dieser mythischen Macht, der christlichen Texte, ex negativo genau so zu vermessen, dass das Korrelat aus Mythos und Komplex, auf der Bühne, diese Komplexe selbst sichtbar macht, aufbricht und, vllt., politisch umdeuten kann.
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